In Deutsch­land herrscht allgemeine
Schul­pflicht. Das heißt: Alle Kinder, die in Deutsch­land leben, müssen die
Schule besuchen – unabhängig von ihrer sozialen und nationalen Herkunft und
unabhängig von ihrer körperlichen und geistigen Entwick­lung. Positiv
ausgedrückt: Schul­pflicht ist das Recht eines jeden Kindes auf Schule.

Die Schul­pflicht

In der Pflicht sind vor allem der
Staat und die Eltern des Kindes. Der Staat muss die erforderlichen
Einrichtungen bereit­stellen und allen Kindern den Besuch einer Schule
ermöglichen. Die Eltern müssen ihr Kind recht­zeitig zum Schul­besuch anmelden.
Versäumen sie die Anmeldung, machen sie sich strafbar. Nach der Anmeldung folgt
eine ganze Liste weiterer und weit reichender Verpflichtungen: Eltern müssen

  • für einen regel­mäßigen und pünkt­lichen Schul­besuch
    sorgen,
  • ihr Kind ordentlich gekleidet und angemessen
    sauber zur Schule schi­cken,
  • es mit der erforderlichen Schul­ausrüstung
    ausstatten,
  • ihr Kind anhalten, seine schu­lischen Aufgaben zu
    erledigen,
  • ihr Kind bei Schul­versäum­nissen entschuldigen,
    bei Krankheiten krankmelden,
  • und nicht krank­heits­bedingte Schul­versäum­nisse
    vorher beantragen.

Dauer der
Schul­pflicht hängt vom Bundes­land ab

Wie lang die Schul­besuchs­pflicht
ist, hängt vom Bundes­land ab. In Bayern sind beispiels­weise neun Jahre Voll­zeit­unter­richt
Pflicht, in Berlin und Nord­rhein-West­falen sind es zehn Jahre. Die Anzahl der
Schul­besuchs­jahre darf hierbei nicht mit der Nummer der besuchten Jahr­gangs­stufe
verwechselt werden. Ein Kind am Ende der achten Klasse, das zwei Mal eine
Klasse wieder­holt hat, hat in Berlin seine Schul­besuchs­pflicht erfüllt.

Der Stichtag

Ein Stichtag regelt den Beginn der
Schul­pflicht. Lange Jahre war dies der 30. Juni. Kinder, die bis zu
diesem Termin sechs Jahre alt wurden, mussten nach den Sommer­ferien desselben
Jahres in die Schule. Lag ihr Geburts­tag nach diesem Termin, konnten sie nur
in Ausnahme­fällen, auf besonderen Antrag und nach einer bestandenen Schul­eingangs­prüfung
in die Schule gehen. 1997 beschloss die Kultus­minister­konferenz eine
zeitliche Ausdehnung der bis dahin geltenden Stich­tags­regelungen. Die Bundes­länder
können seitdem den Stichtag selbst bestimmen. Viele Bundes­länder haben davon
Gebrauch gemacht:

Datum

Bundes­land

30. Juni

Bremen,
Hamburg, Hessen, Meck­lenburg-­Vorpommern, Saar­land, Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein

Kann- und
Muss-Kinder

Muss-Kinder sind zum Stichtag
bereits sechs Jahre alt und müssen aufgrund der Schul­pflicht einge­schult
werden. Ihre Eltern können sie nur in Ausnahme­fällen ein Jahr vom Schul­besuch
zurück­stellen lassen. Kann-Kinder werden erst nach dem Stichtag sechs Jahre
alt. Sie unterliegen zum Zeit­punkt ihrer Einschulung noch nicht der Schul­pflicht.
Die Eltern müssen für die vorzeitige Einschulung einen Antrag stellen und die
Schul­fähig­keit ihrer Kinder über­prüfen lassen. Wie Eltern hierbei vorgehen
müssen, steht meist auf der Internetseite ihrer zuständigen Schulbehörde.